Konzert

©Antonello Trio

Abgesagt: Ebony Bones

Mit ihrer blonden Afro-Haarpracht und ihrem lässigen Londoner Akzent, hat sich Ebony Bones in den letzten Jahren gleich in mehreren Bereichen einen Namen gemacht – neben ihren Erfolgen als Musikerin z.B. auch als Schauspielerin. Ihre Songs, die von Punk-, Alternative- und düsteren Pop-Elementen durchzogen sind, schreibt sie nicht nur allesamt selbst, denn auch die Produktion und den Vertrieb betrachtet sie als ihre Baustellen. Einst eine Studienkollegin von Amy Winehouse, haben u.a. schon Yves Saint Laurent und Alexander Wang bei ihr Kampagnen-Songs bzw. Modenschau-Soundtracks in Auftrag gegeben; und auch mit Yoko Ono hat die 35-Jährige bereits zusammengearbeitet. Jetzt steht Ebony Bones, die zu den wenigen Künstlerinnen zählt, die in der männerdominierten Producer-Landschaft operiert, mit ihrem dritten Album in den Startlöchern, an dem auch das Beijing Philharmonic Orchestra mitgewirkt hat. Nephilim erschien am 20. Juli 2018.

Was ihren Sound angeht, haben wir es hier jedoch keinesfalls mit einem klassischen Punk-Trio zu tun: Als eine der wenigen Produzentinnen, die auch mit Orchestern arbeitet, sind ihre Songs nämlich sehr viel ausladender: sie haben zugleich etwas Episches, fast schon Leinwandgroßes. Während sie u.a. in Indien und China unterwegs war und dort mit Sinfonieorchestern arbeitete, ermunterte sie die Musiker immer wieder, ihre angestammte Komfortzone zu verlassen und ausnahmsweise ihre ganz anders gearteten Kompositionen mitzuspielen. „Ja, dieses Überschreiten von Genregrenzen ist auf jeden Fall zentral: Als ich z.B. mit dem Mumbai Symphony Orchestra oder dem Beijing Philharmonic Orchestra gearbeitet habe, da ging es mir darum, Orchestermusik und Klassische Musik neu zu denken, die damit verbundenen Denkgewohnheiten über Bord zu werfen – z.B. die Idee, dass Klassische Musik eine Art von Musik ist, die nur weiße Männer machen und hören – Leute wie Beethoven“, meint Bones.

Als weibliche Protagonistin in der männlich dominierten Producer-Szene, ist Ebony Bones vor allem eine Vorreiterin: Auch deshalb war sie mit Kolleginnen wie Grimes, Linda Perry und Tokimonsta in einem HBO/Vice-Special im Jahr 2017 zu sehen. Für sie hat das Produzieren denselben Stellenwert wie das Komponieren; zu ihren wichtigsten Vorbildern zählen daher Künstlerinnen, die auch selbst produziert haben – u.a. Kate Bush, Missy, Lauryn Hill. „Diese Vielfalt muss einfach gegeben sein, um die Kunst, die Musik lebendig zu halten, ihr Widerstandskraft zu geben“, meint Bones. „Wenn man dann allerdings sieht, wie klein die Zahl der Producerinnen aktuell ist, dann muss man feststellen: Es gibt gerade nur eine einzige dominierende Stimme, die vorgibt, was wir hören, was für Musik gemacht wird.“

Auch das Überschreiten und Einreißen von Genregrenzen ist eine Sache, die Ebony Bones auf Nephilim vorantreibt – was den Songs des neuen Albums einen komplett eigenen, futuristischen Sound verleiht. Avantgarde-Electronica und experimentellen Jazz denkt sie zusammen, setzt auf große Sinfonie-Arrangements genauso wie auf afrofuturistische Anklänge. Die filmisch-epische Qualität ihrer Produktionen ist bei Orchester-Aufnahmen wie dem Titelsong oder Instrumentalstücken wie „Truth or Treason“ dermaßen ausgeprägt, dass es sich genauso gut um Filmsoundtracks handeln könnte. Schon vor ihrer Anfrage beim Beijing Philharmonic Orchestra war sie in China aufgetreten – im Rahmen der Weltausstellung in Shanghai (2010). „Immer wieder wurde ich während der Arbeit auf das Thema Zensur in China angesprochen, und obwohl ich keine direkte Zensur erfahren hatte, dachte ich davon inspiriert über die verschiedenen Arten von Zensur nach, die es gibt. Schließlich gibt es auch versteckte Formen davon: Wer sich äußern darf, wer nicht; wie Menschen, deren Stimmen nicht gehört werden sollen, zum Schweigen gebracht werden. Angefangen beim Thema religiöse Zensur, habe ich bei der Arbeit an Nephilim immer wieder bewusst darauf geachtet, Themen anzugehen, zu denen sich Frauen sonst eher selten äußern.“

Große, gewichtige Themen, die sie mit futuristischen Sounds verwebt: So klingt Nephilim, das dritte Album der Avantgarde-Künstlerin Ebony Bones. „Künstler verfügen über die Gabe, aus Versehen die Zukunft vorherzusagen – das ist ihr Wesen als Schöpfer“, hat Philip K. Dick einmal gesagt. Ebony Bones tut genau das – sie ist ihrer Zeit noch immer voraus.

Eine Veranstaltung von Prime Entertainment.

Do, 15.11.2018
Konzert

Konzertsaal
Beginn 20:30

24 € Vorverkauf Bitte beachten: im Vorverkauf können je nach Anbieter Gebühren anfallen.

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